Anlässlich der Anhörung zum Gesetzentwurf der Landesregierung zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung erklärt Desiree Becker Landesvorsitzende der Partei Die Linke Hessen:
“Die Koalition verkauft die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von 21 auf 18 Monate und andere einschneidende Veränderungen als Modernisierung. Tatsächlich ist es Paket von verdeckten Sparmaßnahmen, und diese gehen zulasten der angehenden Lehrkräfte und der Schulen. Und wie gewohnt agiert die Landesregierung nicht evidenzbasiert – das Label Qualitätsoffensive wird einfach draufgeklebt.
Wer den Vorbereitungsdienst kürzt und gleichzeitig den eigenverantwortlichen Unterricht auf 14 bis 16 Wochenstunden hochfährt, bildet nicht besser aus, sondern setzt Berufsanfänger als billige Unterrichtsreserve ein. Das ist je nach Schulform mehr als eine halbe Stelle, und daneben müssen Seminare, Unterrichtsbesuche und Prüfungen bewältigt werden. Das ist keine Ausbildung, das ist Überlastung“, so die Landesvorsitzenden von Die Linke Hessen.
“Wir fordern die Landesregierung auf, die Einwände insbesondere der GEW ernst zu nehmen und den Gesetzentwurf nachzuarbeiten.”
Die Linke kritisiert insbesondere:
- Mehr Unterricht, weniger Ausbildung: Statt einer besseren Begleitung gibt es mehr Unterrichtsverpflichtung.
- Kein Cent für die Reform: Der Entwurf weist unter „Finanzielle Auswirkungen“ viermal „Keine“ aus. Mehr Qualität zum Nulltarif gibt es nicht. Die Kosten tragen die Beschäftigten.
- Chaos für die Schulen oder auch „Lehrkraft gesucht – mitten im Halbjahr: Das Referendariat endet künftig mitten im Halbjahr. Schulen verlieren Lehrkräfte, ohne Ersatz zu haben, und Lerngruppen bekommen mitten im Schuljahr neue Gesichter vorgesetzt.
- Keine Perspektive: Eine kürzere Ausbildung nützt nur, wenn danach Vertrag oder Planstelle warten. Statt Stellen zu schaffen, bietet die Koalition dafür nichts an.
- Ohne Evidenz: Weder die Einführung der Modularisierung noch die jetzige Rückabwicklung wurde systematisch evaluiert. Die Studienseminare, die viel Zeit in Curricula und Module investiert haben, sehen ihre Arbeit entwertet.
- Wichtige Themen zu kurz: Inklusion, psychische Gesundheit und Demokratiebildung stehen im Entwurf. Ohne Zeit und Ressourcen bleiben sie Überschriften.
„Hessen hat einen Lehrkräftemangel, und die Koalition macht den Beruf noch unattraktiver. Wir fordern eine Evaluation vor jeder Strukturreform, eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung im Referendariat, echte Entlastung für Mentor*innen und Schulleitungen sowie ausreichend Stellen, damit gut ausgebildete Lehrkräfte in Hessen bleiben“, so die Linke weiter.



