Stellungnahme zu den Honorarkürzungen in der Psychotherapie
Der Bedarf an Psychotherapie ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen – verständlich vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen aber auch immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt oder im Bildungsweg. Mindestens seit Corona ist der Bedarf noch höher, gerade soziale Ängste und die Abhängigkeit von Socialmedia nehmen zu.
Die gesetzlichen Krankenkassen sparen nun auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen. Laut OECD hat sich der Anteil an Menschen in Deutschland mit unbehandelten psychischen Problemen seit 2021 von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt. Jeder Euro, der in Psychotherapie investiert wird, spart an anderer Stelle vier Euro ein. Wer hier spart, belastet langfristig die gesetzlichen Versicherungen und öffentlichen Kassen durch Folgekosten.
Die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% ab April 2026 bedeutet eine kritische Verschlechterung der Versorgung der Patient:innen. Dadurch wird der Druck auf Psychotherapeut:innen erhöht, in Zukunft ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler:innen zu geben. Die psychotherapeutischen Praxen kämpfen mit steigenden Kosten für Miete, Personal und Technik. Den Therapeut:innen mitten in der Inflation 4,5 % des Honorars zu streichen, ist reine Willkür.
Diese Schritte hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin sind schlecht für alle, die es sich nicht leisten können, Therapiestunden einfach aus eigener Tasche zu bezahlen. Bereits jetzt warten Menschen in Zeiten, in denen es ihnen psychisch schlecht geht, monatelang auf einen ambulanten Therapieplatz – sofern sie überhaupt einen finden.
Allgemein sollte überdacht werden, wie die ohnehin schwierige Versorgungssituation durch strukturelle Maßnahmen verbessert werden kann. Honorarabsenkungen sind hierbei definitiv ein Schritt in die verkehrte Richtung.
Um die psychotherapeutische Versorgung zukunftssicher aufzustellen, fordert DIE LINKE Hessen:
• Bedarfsgerechte Zulassungen: Eine flächendeckende Versorgung durch mehr Kassensitze statt künstlicher Verknappung.
• Spezialisierte Planung: Eine gesonderte Bedarfsplanung für die Kinder- und Jugendpsychotherapie.
• Finanzierung der Weiterbildung: Sicherstellung der finanziellen Mittel für angehende Psychotherapeut:innen.
• Soziale Gerechtigkeit: Schnelle Termine für alle, die sie dringend benötigen – unabhängig vom Versicherungsstatus.
Die Linke Hessen freut sich über die Resonanz auf die Petition gegen die Kürzungen, die innerhalb kürzester Zeit über 400.000 Unterstützer:innen gefunden hat: 🔗 https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gek%C3%BCrzt.




