290 Millionen Euro für 9 Kilometer Autobahn sind kein Zukunftskonzept

Die gestrig erfolgte Freigabe des neuen A44-Abschnitts zwischen Sontra-Ost und dem Wommener Dreieck wird als Fortschritt für die Region gefeiert. Aus Sicht der Linken Hessen steht das Projekt jedoch für verfehlte Prioritäten in einer Zeit, in der ländliche Räume bessere Mobilität, starke wirtschaftliche Perspektiven und echte Zukunftsinvestitionen brauchen.

Rund 290 Millionen Euro wurden für neun Kilometer Autobahn investiert, was mehr als 32 Millionen Euro pro Kilometer entspricht. Silvia Hable, stellvertretende Landesvorsitzende der Linken Hessen und Kreisvorsitzende der Linken Werra-Meißner, kritisiert: „Die entscheidende Frage ist doch, wem diese Investition konkret nützt. Eine Region wird nicht automatisch stärker, weil Verkehr schneller durch sie hindurchrollt. Entscheidend ist, ob gute Arbeitsplätze vor Ort entstehen, zukunftsfähige Unternehmen sich ansiedeln und Menschen ihren Alltag sinnvoll organisieren können.

Gerade im Werra-Meißner-Kreis erleben viele das Gegenteil. Wer pendelt, verliert Zeit. Wer kein Auto hat, ist oft abgehängt. Orte wie Eschwege, Sontra oder Waldkappel brauchen keine Politik, die noch mehr Transitverkehr durch die Region zieht, sondern echte wirtschaftliche Perspektiven und gut ausfinanzierte Kommunen.“

Violetta Bock, Bundestagsabgeordnete aus Kassel, kritisiert: „Mitten in der sich zuspitzenden Klimakrise hunderte Millionen Euro in neue Autobahninfrastruktur zu stecken, ist ein fatales Signal. Während über Hitzesommer, Dürren und die Kosten der Klimakatastrophe gesprochen wird, investiert die Politik weiter in ein Modell, das zusätzlichen Verkehr erzeugt, Flächen versiegelt und falsche Anreize setzt. Zukunftsfähige Mobilität bedeutet nicht mehr Beton, sondern Investitionen in öffentliche Infrastruktur, die Menschen klimafreundlich und bezahlbar verbindet.“

Jakob Migenda, Landesvorsitzender der Linken Hessen, kritisiert: „Wer ländliche Räume ernsthaft stärken will, muss sie erreichbar machen, ohne Menschen zum Auto zu zwingen. Nach der Wiedervereinigung wäre der Ausbau leistungsfähiger Ost-West-Schienenverbindungen die strategisch klügere Entscheidung gewesen. Stattdessen wurde auf Straßenbau gesetzt. Das Ergebnis sehen wir heute: ländliche Räume mit schwacher Anbindung, langen Wegen und zu wenig öffentlicher Infrastruktur. Diese Politik war damals falsch und ist es heute erst recht.“

Auch die bereits geäußerten Sorgen von Anwohnenden über zusätzliche Belastungen, Verkehr und Lärm entlang der Strecke zeigen, dass solche Großprojekte ihre Versprechen häufig nicht einlösen. Die Linke fordert eine Verkehrspolitik, die Regionen stärkt, Lebensqualität verbessert und die Klimarealität endlich ernst nimmt.